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Bruno Dorn
Barbara Wille

09.05.- 30.05.2009, Motive und andere Vorlieben, Barbara Wille und Bruno Dorn

»Langeweile ist ein warmes graues Tuch, das innen mit dem glühendsten, farbigsten Seidenfutter ausgeschlagen ist. In dieses Tuch wickeln wir uns wenn wir träumen. Dann sind wir in den Arabesken seines Futters zuhause. Aber der Schläfer sieht grau und gelangweilt darunter aus. Und wenn er dann erwacht und erzählen will, was er träumte, so teilt er meist nur diese Langeweile mit. Denn wer vermöchte mit einem Griff das Futter der Zeit nach außen zu kehren? Und doch heißt Träume erzählen nichts anderes. Und nicht anders kann man von den Passagen handeln, Architekturen, in denen wir traumhaft das Leben unserer Eltern, Großeltern nochmals leben wie der Embryo in der Mutter das Leben der Tiere. Das Dasein in diesen Räumen verfließt denn auch akzentlos wie das Geschehen in Träumen. Flanieren ist die Rhythmik dieses Schlummers.«
(Walter Benjamin, Das Pasagen-Werk, Bd.1, S.161)

Der Text von Walter Benjamin beschreibt die Atmosphäre, in der sich die Werke von Barbara Wille und Bruno Dorn begegnen. Eine raumgreifende, floßartige Skulptur beherrscht die Mitte der Galerie. Dieses Floß trägt fensterartige Konstrukte, die sich durchdringen und durch die hindurch der Blick auf Fotografien von Häusern, Gärten und Zimmern fällt. Die Bilder sind wie ein Alias lange nicht mehr abgerufener Daten, wie ein shortcut in die Kindheit, zur Langeweile endloser Sommertage und zum Gefühl der Verlorenheit in Interieur und Mobiliar. Die Ausstellung formuliert mit den Medien der Installation und der Fotografie Passagen in diese Erinnerungsräume, an deren Grenzflächen sich Stimmungen kristallisieren und nach draußen spiegeln. Jedes Medium erzählt hiervon auf seine Weise. Bruno Dorn und Barbara Wille evozieren mit ihrer Ausstellung diesen Blick auf das Geflecht von Zeit, Raum und Erinnerung.